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Es sind Dilettanten, es sind Amateure, im besten Sinn des Wortes. Sie
sind der Meinung, daß es genügt, nur an den Probenabenden
musikalisch tätig zu sein und manchem ist Üben ein unnotwendiger
Greuel. Sie sind eine fest verschworene Gemeinschaft, sie nehmen sich
jedes Mal im Herbst vor - wenn der Probenbetrieb wieder beginnt - es
dieses Mal besser zu machen. Vielleicht doch ab und zu zu üben
und vor allem etwas Kondition zu tanken, damit der rechte Arm im Verlauf
eines Konzertes nicht so weh tut. Sie nehmen sich vor, es immer wieder
besser zu machen, die Notenmappe in Ordnung und Ehren zu halten und
sich das, was der musikalische Leiter oder Dirigent sagt, genau zu merken.
Und bei der Generalprobe werden Noten gesucht und Striche eingezeichnet.
Und im nächsten Herbst, wenn der Probenbetrieb beginnt....
So sind sie, die Mitglieder des Haidershofener Kammerorchester. Das
Wichtigste aber ist die Freude am Spielen, die Freude an der eigenen
Tätigkeit und die Freude daran, diese Freude weiterzugeben beim
Spielen in einem Konzert.
Kammermusik begann als nichtöffentliches Musizieren an Fürstenhöfen,
in begüterten Bürgerfamilien in einer Zeit in der Musik als
Kunstgattung noch keineswegs Allgemeingut war. Einige Auserwählte
konnten es sich leisten, Komponisten zu beschäftigen, diese für
ihre Dienste zu bezahlen und gelegentlich auch zu bestimmen, was und
wie etwas geschrieben bzw. aufgeführt werden sollte. Man denke
nur an das Vorspiel zur Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard
Strauss in dem der "reichste Mann von Wien" schlußendlich
festlegt, daß die"opera seria' gleichzeitig mit der "Comedia
dell'arte" zur Aufführung gebracht wird. Oder man erinnere
sich an den Brief Mozarts, in dem er über die Wünsche des
Fürsterzbischofs klagt, der nicht nur eine durchkomponierte Messe,
sondern auch noch vor dem Kyrie, zur Kommunion und nach dem Agnus musikalische
Werke verlangt und dies alles innerhalb von 45 Minuten. Mozart klagt
zwar, aber der Wunsch des Bischofs veranlaßte ihn, die herrlichen
Werke zu schreiben, die unter dem Titel "Kirchensonaten" bekannt
geworden und aus dem Repertoire der Kammerorchester nicht wegzudenken
sind.
Die großen Formen der Musik waren für diese Aufführungen
in Privatsalons und Fürstenschlössern ungeeignet. Aber die
meisten Haydnsinfonien vertragen ohne weiters eine Besetzung, die als
verstärkte Quartettbesetzung bezeichnet werden kann. Und wer die
Möglichkeit hat, in den Pfarrkirchen der näheren Umgebung
an hohen Festtagen Messen zu hören, der wird es sicher nicht als
Mangel empfinden, wenn z.B. Mozarts "Spatzenmesse" oder Haydns
"Kleine Orgelsolomesse" in einer verstärkten "Doppelquartettbesetzung"
aufgeführt werden.
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